KI und Erfahrung in der Payroll müssen weiterhin Hand in Hand gehen

Braucht Payroll mit KI noch Erfahrung? – ein Selbstversuch

KI kann heute recherchieren, erklären, analysieren, Texte schreiben, Bilder erzeugen, programmieren und uns Schritt für Schritt durch Aufgaben führen, von denen wir vorher keine Ahnung hatten.

Aber kann sie auch Erfahrung ersetzen?

Kann ich mithilfe von KI etwas lernen und praktisch umsetzen in einem Bereich, in dem ich wirklich bei null starte? Ohne entsprechendes Fachwissen, ohne Ausbildung und ohne jahrelange Erfahrung in diesem Gebiet?

Und wenn das funktioniert: Was bedeutet das eigentlich für Lernen und Ausbildung?

Brauchen wir künftig überhaupt noch jahrelange Einarbeitung? Müssen junge Menschen weiterhin Grundlagen lernen und Erfahrungen sammeln? Oder reicht es irgendwann, eine KI neben sich zu haben, die weiß, wie es geht?

Wenn man manchen Zukunftsvisionen glaubt, erledigt sich diese Frage bald von selbst. Elon Musk beispielsweise zeichnet seit Längerem ein Bild einer Zukunft, in der KI und Robotik einen erheblichen Teil menschlicher Arbeit übernehmen.

KI takes over.

Aber bevor wir deshalb die Berufsausbildung abschaffen, wollte ich es dann doch etwas genauer wissen.

Also machte ich einen Selbstversuch.

Allerdings musste ich mir dafür nicht einmal ein künstliches Experiment ausdenken. Der Selbstversuch kam von ganz allein.


Plötzlich Hausverwaltung

Im April dieses Jahres beendete die Hausverwaltung unserer Mietobjekte überraschend und kurzfristig die Zusammenarbeit.

Damit standen ich vor einer Entscheidung: Eine neue Hausverwaltung suchen – oder die Verwaltung künftig selbst übernehmen? Eine neue Hausverwaltung zu finden, wäre mühsam geworden. Viele Verwaltungen haben keine Kapazitäten. Und mit der Dienstleistungsqualität, die ich bis dahin erlebt hatte, war ich ohnehin nicht sonderlich glücklich.

Also entstand eine zunächst etwas verrückte Alternative: Warum mache ich es nicht selbst?

Das Problem dabei: Ich hatte noch nie eine Mietverwaltung geführt.

Und genau hier kam KI ins Spiel.

Die erste Aufgabe für KI: Soll ich das überhaupt machen?

Ich habe KI zunächst nicht genutzt, um mir Mietrecht erklären zu lassen oder eine Nebenkostenabrechnung zu erstellen.

Ich habe sie für etwas viel Grundsätzlicheres eingesetzt: für meine Entscheidungsfindung.

Kann ich eine Mietverwaltung selbst übernehmen? Was kommt tatsächlich auf mich zu? Welche Aufgaben gehören dazu? Wie viel Zeit muss ich einplanen? Welche Kompetenzen brauche ich? Was kann ich selbst erledigen und wo brauche ich externe Dienstleister oder Fachleute?

Und vor allem:

Wird mir das irgendwann über den Kopf wachsen?

Gemeinsam mit KI habe ich das Thema Stück für Stück auseinandergenommen. Nicht abstrakt, sondern bezogen auf unsere tatsächliche Situation und unsere Mietobjekte.

Ich konnte Szenarien durchspielen, Aufgaben strukturieren, Risiken identifizieren und mir ein ziemlich gutes Bild davon machen, was Selbstverwaltung im Alltag tatsächlich bedeutet.

Am Ende stand meine Entscheidung:Ja. Ich mache es selbst.Damit begann der eigentliche Selbstversuch allerdings erst.

Bei Null angefangen – aber doch nicht ohne Erfahrung

Nachdem die Entscheidung gefallen war, bin ich vorgegangen wie bei einem neuen Projekt.

Ich habe Checklisten erstellt: Was muss übernommen werden? Welche Verträge bestehen? Welche Dienstleister müssen informiert werden? Welche Unterlagen und Zugänge brauche ich? Welche Prozesse müssen neu aufgebaut werden?

Dabei hat mir KI enorm geholfen. Aber ziemlich schnell wurde mir etwas klar:

Ich hatte zwar keine Erfahrung in der Mietverwaltung. Aber ich hatte Erfahrung.

Als Projektleiterin bin ich es gewohnt, mich in neue Themen einzuarbeiten, komplexe Aufgaben zu strukturieren, Abhängigkeiten zu erkennen und Schritt für Schritt einen funktionierenden Prozess aufzubauen.

Und genau so bin ich auch bei der Mietverwaltung vorgegangen.

Ich organisierte die Kommunikation neu, richtete eine eigene Gmail-Adresse für die Verwaltung ein, ein separates Konto und sogar ein eigenes Logo. Stück für Stück entstand aus einem ziemlich abrupt entstandenen Problem eine strukturierte kleine Mietverwaltung.

Auch für fachliche Aufgaben setzte ich KI intensiv ein.

Mit Perplexity erstellte ich beispielsweise einen Hausmeistervertrag. KI unterstützte mich bei Mietverträgen und bei zahlreichen organisatorischen und fachlichen Fragen rund um die Vermietung.

Und dann kam eine Aufgabe, bei der es ernst wurde: die Nebenkostenabrechnung.

Vertrauen ist gut – Quercheck ist besser

Auch die Nebenkostenabrechnung habe ich mit Unterstützung von KI erstellt. Allerdings habe ich das Ergebnis nicht einfach übernommen.

Ich habe eine zweite KI für einen Quercheck eingesetzt. Die eine KI hat also überprüft, was ich gemeinsam mit der anderen erarbeitet hatte.

Und das war gut so. Denn auch KI macht Fehler. Sie übersieht etwas, interpretiert einen Sachverhalt falsch oder liefert eine Antwort, die auf den ersten Blick absolut plausibel klingt – es aber bei genauerer Betrachtung nicht ist.

Hier half mir eine Erfahrung, die zunächst überhaupt nichts mit Mietverwaltung zu tun hat: meine jahrelange Arbeit in der Payroll.

Wer mit Entgeltabrechnung arbeitet, lernt ziemlich schnell:
– Nur weil eine Zahl aus einem System kommt, ist sie noch lange nicht richtig.
– Ergebnisse müssen plausibilisiert, kontrolliert und bei Auffälligkeiten hinterfragt werden.


Genau diese Arbeitsweise habe ich auf KI übertragen.Beim Einsatz von KI ist gesundes Misstrauen gegenüber den Ergebnissen essenziell.Das klingt zunächst paradox. Schließlich nutzen wir KI, weil sie uns Arbeit abnehmen soll. Wenn wir anschließend alles kontrollieren müssen – wo liegt dann der Vorteil?

Für mich liegt er vor allem in der Geschwindigkeit. KI hilft mir, mir unbekannte Themen sehr schnell zu erschließen, Zusammenhänge zu verstehen und erste Lösungen zu entwickeln. Ich muss nicht mehr bei null anfangen und mir jede Information mühsam zusammensuchen.

Aber ich gebe damit nicht meine eigene Verantwortung ab.

KI ist keine Rechtsberatung

Besonders deutlich wird diese Grenze bei rechtlichen Themen.

Auch hier hatte ich einen Vorteil aus meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit: Ich habe einen rechtlichen Hintergrund und insbesondere viel Erfahrung im Umgang mit Vertragsrecht.

Ich bin keine Mietrechtsexpertin.

Aber ich bin es gewohnt, Verträge zu lesen, Regelungen zu hinterfragen, rechtliche Risiken zu erkennen und vor allem zu wissen, wann eine fachkundige rechtliche Prüfung notwendig ist.

Das war bei der Arbeit mit KI an Hausmeister- und Mietverträgen enorm hilfreich. Ich konnte Entwürfe erstellen, Klauseln hinterfragen und mir Zusammenhänge erklären lassen.

Gleichzeitig wusste ich aus Erfahrung:
Ein überzeugend formulierter Vertrag ist noch lange kein rechtlich guter Vertrag.Deshalb habe ich mich auch hier nicht ausschließlich auf KI verlassen.

Ich bin Mitglied bei Haus & Grund geworden und habe damit Ansprechpartner für mietrechtliche Fragestellungen sowie bei Bedarf Zugang zu Rechtsanwälten mit entsprechendem Schwerpunkt. Zusätzlich bietet Haus & Grund Seminare zu unterschiedlichsten Themen rund um Vermietung und Immobilienverwaltung an.

Denn auch das gehört für mich zu einem kompetenten Umgang mit KI:

Zu wissen, wann KI reicht – und wo deren Grenzen liegen und ich einen menschlichen Berater brauche, der es wirklich wissen muss.

Gesundes Mistrauen kann man nicht prompten

Und damit komme ich zu einem Punkt, den ich vor meinem Selbstversuch so deutlich gar nicht auf dem Schirm hatte. Gesundes Misstrauen kann man nicht einfach prompten.Um ein Ergebnis infrage zu stellen, muss ich zunächst merken, dass etwas nicht stimmt.

  • Dass eine Zahl unplausibel ist.
  • Dass eine Aussage nicht zur vorherigen Aussage passt.
  • Dass bei einem Vertrag etwas fehlt.
  • Dass die Antwort zwar fantastisch klingt, aber meine innere Stimme sagt:
    Moment mal. Das kann doch nicht stimmen.

Dafür brauche ich Urteilsvermögen.

Und Urteilsvermögen entsteht nicht dadurch, dass ich möglichst viele Prompts schreibe. Es entsteht durch Wissen, durch Fehler, durch Wiederholung, durch Verantwortung – und durch Erfahrung.

War ich wirklich Anfängerin?

Das ist für mich die vielleicht interessanteste Erkenntnis aus meinem Selbstversuch. Ja, ich war Anfängerin in der Mietverwaltung. Aber war ich deshalb wirklich unerfahren? Nein.

Meine Erfahrung als Projektleiterin half mir, die Verwaltung strukturiert aufzubauen.Meine Erfahrung aus der Payroll half mir dabei, Zahlen und Ergebnisse nicht einfach zu übernehmen, sondern zu kontrollieren und zu plausibilisieren.

Mein rechtlicher Hintergrund und insbesondere meine Erfahrung mit Vertragsrecht halfen mir dabei, rechtliche Fragestellungen und KI-generierte Verträge kritisch zu betrachten.Und meine allgemeine Berufserfahrung half mir dabei zu erkennen, wann ich selbst weiterkomme – und wann ich einen Spezialisten brauche.Ich hatte keine Erfahrung in der Mietverwaltung. Aber ich hatte einen ziemlich großen Werkzeugkasten an Erfahrung aus anderen Bereichen.

KI hat es mir ermöglicht, diesen Werkzeugkasten auf ein völlig neues Fachgebiet anzuwenden.Und genau das ist für mich ein entscheidender Unterschied.

Was das für die Payroll-Ausbildung bedeutet

Was ich bei der Selbstverwaltung meiner Mietobjekte erlebt habe, lässt sich für mich sehr direkt auf die Payroll übertragen.

KI kann auch hier viel beschleunigen. Sie kann Begriffe erklären, Gesetzestexte und Verfahren verständlicher machen, bei Recherche, Strukturierung und ersten Entwürfen unterstützen und Lernenden helfen, schneller handlungsfähig zu werden.

Aber Payroll ist kein Bereich, in dem es genügt, eine plausibel klingende Antwort zu erhalten.

Wer beurteilen soll, ob eine Abrechnung, eine Meldung, eine Auswertung oder eine Handlungsempfehlung richtig ist, braucht fachliche Grundlagen. Wer Auffälligkeiten erkennen soll, muss wissen, wie ein plausibles Ergebnis aussieht. Und wer Verantwortung übernimmt, muss verstehen, welche Folgen Fehler für Beschäftigte, Unternehmen und Behörden haben können.

Deshalb bleiben für mich drei Dinge unverzichtbar:

  • Eine solide Grundlagenausbildung, damit Menschen die Logik hinter Abrechnungen, Prozessen und Regelungen verstehen.
  • Lernbegleitung, die aus Wissen schrittweise Urteilsvermögen macht.
  • Praktische Erfahrung, in der Menschen Fälle bearbeiten, Fehler erkennen, Entscheidungen reflektieren und Verantwortung übernehmen lernen.

KI kann diese Entwicklung hervorragend unterstützen. Sie kann erklären, üben lassen, Fragen beantworten und Lernwege individueller gestalten. Sie darf aber nicht dazu führen, dass wir Einsteigerinnen und Einsteigern die Gelegenheit nehmen, die Erfahrung aufzubauen, die sie später als Seniors brauchen.

Unsere Auszubildenden und Einsteigerinnen und Einsteiger von heute sind die erfahrenen Payroll-Fachkräfte von morgen.

Wir können es uns nicht leisten, ihre Ausbildung durch KI zu ersetzen. Wir sollten KI vielmehr dafür nutzen, ihre Ausbildung, Lernbegleitung und Entwicklung besser zu machen.


Mein Fazit: Ja, Erfahrung ist weiterhin ein Muss

Hat mein Selbstversuch funktioniert? Ja. Erstaunlich gut sogar. Ich habe mithilfe von KI innerhalb kurzer Zeit ein für mich neues Fachgebiet erschlossen und eine funktionierende Selbstverwaltung unserer Mietobjekte aufgebaut.

Aber hat KI dabei meine fehlende Erfahrung ersetzt? Nein. Und genau das ist für mich die wichtigste Erkenntnis aus diesem Experiment. Ich hatte zwar keine Erfahrung in der Hausverwaltung – ich war aber keineswegs unerfahren.

Meine Erfahrung als Projektleiterin hat mir geholfen, das Thema zu strukturieren, Aufgabenpakete zu bilden, Prioritäten zu setzen und die Verwaltung systematisch aufzubauen.

Meine jahrelange Erfahrung aus der Payroll hat mir eine Arbeitsweise beigebracht, die beim Einsatz von KI Gold wert ist: Ergebnisse werden nicht einfach übernommen. Sie werden kontrolliert, plausibilisiert und hinterfragt. Bei der Nebenkostenabrechnung habe ich deshalb eine zweite KI eingesetzt, um die Ergebnisse der ersten gegenzuprüfen.

Und mein rechtlicher Hintergrund, insbesondere meine Erfahrung im Vertragsrecht, hat mir geholfen, bei Miet- und Hausmeisterverträgen nicht davon auszugehen, dass ein hervorragend formulierter KI-Text automatisch rechtlich korrekt ist.

Gesundes Misstrauen kann man nicht einfach prompten.

Um misstrauisch zu werden, muss ich zunächst erkennen, dass etwas nicht stimmt. Dafür brauche ich Urteilsvermögen. Und Urteilsvermögen entsteht durch Wissen, Fehler, Verantwortung – und vor allem durch Erfahrung.

Natürlich hat KI meine fehlende Fachkenntnis in der Mietverwaltung in Teilen kompensiert. Und genau das finde ich großartig. Ich kann heute deutlich schneller in neue Fachgebiete einsteigen. Ich kann mir Zusammenhänge erklären lassen, recherchieren, Lösungen entwickeln, Dokumente entwerfen und meine eigenen Überlegungen kritisch hinterfragen lassen.

KI senkt die Einstiegshürde in neue Fachgebiete enorm. Sie ersetzt aber nicht die Fähigkeiten, die ich brauche, um mit ihren Ergebnissen vernünftig umzugehen. Deshalb halte ich auch die Vorstellung für falsch, junge Menschen künftig weniger oder irgendwann vielleicht gar nicht mehr ausbilden zu müssen, weil KI das notwendige Wissen jederzeit bereitstellt.

Vielleicht müssen wir anders ausbilden. Vielleicht müssen Menschen künftig weniger Wissen auswendig reproduzieren und stärker lernen, Informationen einzuordnen, Zusammenhänge zu verstehen, Ergebnisse zu überprüfen und Entscheidungen zu treffen.

Aber auch dafür brauchen sie Wissen. Und sie brauchen Gelegenheit, Erfahrung zu sammeln.

  • Denn was passiert, wenn irgendwann niemand mehr gelernt hat, wie etwas tatsächlich funktioniert, weil wir uns darauf verlassen, dass die KI es schon wissen wird?
  • Wer erkennt dann eigentlich, wenn die KI falschliegt?

Mein Selbstversuch hat diese Frage für mich ziemlich eindeutig beantwortet:


KI macht Erfahrung nicht obsolet. Im Gegenteil: Je leistungsfähiger KI wird, desto wichtiger werden menschliches Urteilsvermögen – und damit Erfahrung.


Erfahrung entsteht durch Anwendung.

Genau hier setzen die Lernreisen und Ausbildungen der Payroll Academy an: Wissen aufbauen, anwenden und Handlungskompetenz entwickeln.

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